Der Fototag-Irrtum: Warum gute Hundefotos Zeit brauchen

Hund mit Spielzeug

Ich fotografiere jetzt seit rund zwölf Jahren Hunde, und genau diese Erfahrung ist der Grund, warum ich jetzt diesen Artikel schreibe. Denn in all den Jahren bin ich selbst lange einem Irrtum aufgesessen, dem noch heute viele Hundehalter aufsitzen: dass eine kleine Fotosession auf einem Fototag genauso gute Bilder liefert wie ein ausführliches Einzelshooting.

Wie ich zu dieser Erkenntnis gekommen bin, erzähle ich dir am besten von Anfang an.

2014 kaufte ich meine erste digitale Spiegelreflexkamera und ahnte nicht, wohin mich dieses Hobby einmal führen würde. Unsere eigenen Hunde und Katzen waren meine ersten Models. Ich verschlang alles, was ich über Tierfotografie finden konnte, brachte mir das Fotografieren selbst bei, las Bücher, besuchte Kurse und ließ mich von den Arbeiten anderer Tierfotografen inspirieren.

Doch schon bald stellte ich fest: Die eigenen Hunde zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Ohne eine zweite Person beim Shooting fehlt oft die Unterstützung. Also fragte ich Freunde und Bekannte, ob ich ihre Hunde fotografieren durfte. So sammelte ich erste Erfahrungen, und schließlich ergab sich die Möglichkeit, meinen ersten Fototag in einer Hundeschule zu begleiten.

Mein erster Fototag: voller Vorfreude, aber auch großer Erwartungen

2016 war es so weit. Die Hundeschule veranstaltete ein Sommerfest und ich durfte den ganzen Tag fotografieren. Überall auf dem Gelände waren verschiedene Stationen aufgebaut, und ich hatte zusätzlich eine kleine Kulisse mit ein paar Heuballen vorbereitet. Es duftete nach Sommer und frisch gemähter Wiese, überall Hundegebell, Grillrauch und aufgeregte Kinderstimmen.

Ich war voller Vorfreude. Endlich konnte ich viele unterschiedliche Hunde fotografieren und Erfahrungen sammeln.

Während des Tages fühlte sich alles großartig an. Es herrschte eine fröhliche Stimmung, überall passierte etwas, und ich war ständig mit der Kamera unterwegs.

Die Ernüchterung kam allerdings später am Computer.

Hund vor Heuballen

Warum meine Bilder nicht das zeigten, was ich gesehen hatte

Viele Fotos wirkten unruhig. Überall waren Menschen, Zäune oder andere Hunde im Hintergrund. Die Heuballen-Kulisse, die ich mir so schön vorgestellt hatte, ging im Trubel fast unter. Manche Hunde wirkten angespannt und schauten sich ständig nach allen Seiten um.

Mir wurde klar: Zwischen dem, was ich während des Fotografierens empfand, und dem, was später auf den Bildern zu sehen war, lagen Welten.

Natürlich gab es auch schöne Aufnahmen. Aber sie waren deutlich seltener, als ich gehofft hatte.

Ein Jahr später war ich besser vorbereitet, dachte ich zumindest

Beim nächsten Fototag wollte ich vieles anders machen. Ich brachte einen Pavillon mit, baute ein mobiles Studiosystem auf und hatte mir ein kleines Konzept überlegt. Mit einer Leckerli-Angel wurden die Hunde motiviert, nach fliegenden Würstchen zu schnappen. Bei den nächsten Fototagen in Hundeschulen und auf einem Sommerfest eines Tierschutzvereins nutzte ich dann jeweils mein mobiles Studio mit verschiedenen Motiv-Hintergründen. Das wurde gut angenommen, und die Ergebnisse wurden immer besser.

Zumindest technisch.

Mobiles Studio mi Strandhintergrund
Mobiles Studio mit Strandhintergrund

Doch gleichzeitig entstand ein neues Problem.

Vor meinem Fotohintergrund bildete sich eine Schlange. Jeder wollte möglichst schnell an die Reihe kommen. Für jedes Mensch-Hund-Team blieb nur wenig Zeit. Während vorne fotografiert wurde, warteten dahinter bereits die nächsten Teilnehmer.

Je länger der Tag dauerte, desto deutlicher spürte ich den Druck.

Hund beim Shooting im mobilen Studio
Hund beim Shooting im mobilen Studio
Hund beim Shooting im mobilen Studio
Hund beim Shooting im mobilen Studio

Wenn aus Vorfreude plötzlich Stress wird

Mir fiel auf, dass viele Menschen wollten, dass ihre Hunde in wenigen Minuten perfekt funktionieren. Einige Hunde meisterten die Situation erstaunlich gelassen. Andere waren sichtlich überfordert.

ein souveräner, entspannter Hund
ein souveräner, entspannter Hund

Manche Besitzer wurden ungeduldig, brachten ihre Hunde mit Druck in Position oder übergingen deren Unsicherheit. Mehr als einmal habe ich versucht, die Situation zu entschärfen, und daran erinnert, dass kein Foto der Welt den Stress für den Hund wert ist.

Diese Momente haben mich nachdenklich gemacht. Nicht, weil die Menschen ihren Hunden etwas Böses wollten. Sondern weil in der Aufregung oft vergessen wurde, auf die kleinen Signale des Hundes zu achten.

Der Fototag-Irrtum: Warum 15 Minuten kein Ersatz für ein echtes Shooting sind

Rückblickend war das kein Ausrutscher an einem einzelnen Tag. Es steckte etwas Grundsätzliches dahinter, das mir erst viel später richtig klar wurde.

Für Außenstehende klingt ein Fototag nämlich sehr einfach: Da ist eine Fotografin auf einer Veranstaltung, man setzt den Hund kurz davor, und schon hat man später schöne Fotos. Manchmal wollen die Halter sogar noch schnell mit aufs Bild.

Ganz ehrlich: Das wird selten richtig gut.

Für so ein Fototag-Shooting sind meist 10 bis 15 Minuten pro Hund eingeplant. Eine Szene, und fertig. Das steht in keinem Verhältnis zu einem Einzelshooting, bei dem der Termin ganz in Ruhe 1,5 bis 2 Stunden dauert, es eine ausführliche Vorbesprechung gibt und am Ende eine große Auswahl an ganz unterschiedlichen Motiven entsteht.

Ich habe lange gedacht, ein Fototag könnte für viele so etwas wie ein Ausprobieren sein. Eine Art Schnupperangebot, aus dem später ein richtiges Einzelshooting bei mir gebucht wird. In all den Jahren ist das genau einmal so gekommen.

Ein Fototag und ein Einzelshooting sind zwei völlig unterschiedliche Arten von Fotografie, die sich schlicht nicht miteinander vergleichen lassen. Der Wert der Bilder sinkt unter Zeitdruck erheblich, ganz unabhängig davon, wie erfahren die Fotografin ist.

Übrigens: Falls du gerade denkst, dein Hund sei für ein ruhiges Einzelshooting „nicht geeignet“, weil er kein Model-Talent hat oder nicht abgeleint werden kann, dann lass dir sagen: Genau für diese Sorge gibt ein Einzelshooting die Zeit, die eine Teilnahme an einem Fototag dagegen nicht bietet.

Die schönsten Bilder entstanden ganz woanders

Mit der Zeit fiel mir etwas Interessantes auf. Meine Lieblingsbilder entstanden fast nie vor der aufgebauten Kulisse.

Sie entstanden zwischendurch.

Wenn ich mit der Kamera über das Gelände lief. Wenn Hunde miteinander spielten. Wenn sie ihren Menschen ansahen oder einfach neugierig die Umgebung erkundeten.

Diese Momente waren echt. Sie mussten nicht inszeniert werden. Und genau deshalb erzählen sie bis heute die schönsten Geschichten.

entspannter Hund im Lauf

Ein kleiner Mischling hat mir besonders viel beigebracht

An einen Hund erinnere ich mich noch heute besonders gut. Ein etwa einjähriger Mischling sollte vor dem Hintergrund beim Würstchenschnappen fotografiert werden. Er war voller Energie, aufgeregt und konnte sich kaum einen Moment konzentrieren.

Sein Frauchen war mindestens genauso nervös. Sie redete ununterbrochen auf ihn ein, wollte helfen und stand dabei immer wieder genau dort, wo ich eigentlich fotografieren wollte. Je mehr alle versuchten, dass es endlich klappt, desto schwieriger wurde die Situation.

Schließlich übernahm mein Mann die Leine.

Mit seiner ruhigen Art nahm er dem kleinen Hund den Druck. Plötzlich entspannte sich die Situation. Der Hund wurde ruhiger, schaute aufmerksam, und innerhalb weniger Minuten entstanden genau die Bilder, die vorher unmöglich schienen.

Dieser Moment hat mir gezeigt, wie sehr Hunde auf unsere eigene Stimmung reagieren. Und wie viel eine einzige ruhige Person am Set verändern kann.

Warum ich heute keine Fototage mehr anbiete

Heute biete ich bewusst keine Fototage oder Aktionen mit vielen wartenden Teilnehmern mehr an. Nicht, weil sie schlecht organisiert wären. Sondern weil sie nicht zu meiner Art der Tierfotografie passen.

Ich möchte keinen Zeitdruck. Ich möchte keinen Hund, der funktionieren muss. Und ich möchte keinen Menschen, der das Gefühl hat, in wenigen Minuten perfekte Bilder liefern zu müssen.

Stattdessen nehme ich mir Zeit. Zeit zum Kennenlernen. Zeit zum Beobachten. Zeit für kleine Pausen.

Mein mobiles Studio gibt es zwar immer noch, aber heute ausschließlich für ruhige Einzeltermine bei dir zu Hause, zum Beispiel bei Welpen- und Wurfbegleitungen. Ganz ohne Warteschlange dahinter.

Denn Vertrauen lässt sich nicht planen. Es entsteht ganz von allein, wenn Hund und Mensch sich wohlfühlen.

Mein größtes Learning

Rückblickend bin ich dankbar für jeden einzelnen Fototag. Sie haben mir nicht nur fotografisch viel beigebracht. Vor allem haben sie meine Sicht auf Hunde verändert.

Heute weiß ich, dass gute Tierfotografie nicht dann entsteht, wenn ein Hund perfekt sitzt oder exakt in die Kamera schaut. Sie entsteht dann, wenn ein Hund einfach Hund sein darf.

Genau diese natürlichen Momente möchte ich festhalten. Nicht nur, weil sie die schönsten Bilder ergeben. Sondern weil sie den Charakter eines Hundes zeigen, so wie seine Menschen ihn jeden Tag erleben und lieben.

Wie so ein Einzelshooting bei mir dann ganz konkret abläuft, vom ersten Kontakt bis zur Bildübergabe, erzähle ich dir ausführlich in einem der nächsten Artikel dieser Serie. Genauso wie die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: „Ist mein Hund überhaupt dafür geeignet?“

Trage dich hier ein, wenn du keine neuen Blogartikel oder Angebote verpassen möchtest:

Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen